Pferdebesitzer und -halter müssen für Pferde giftige Pflanzen kennen

Warendorf (fn-press). Innerhalb weniger Stunden sind im April fünf Pferde im schleswig-holsteinischen Tangstedt an einer Eibenvergiftung gestorben. Der Hofbetreiber hatte in seinem Garten Eiben gestutzt und den hochgiftigen Grünabschnitt den Pferden zum Fressen auf die Weide gelegt. Er versicherte, dass ihm die Giftigkeit der Pflanze nicht bekannt gewesen sei. „Das ist ein tragischer Fall, der hätte vermieden werden können. Wir appellieren an alle, die mit Pferden umgehen, sich über für Pferde giftige Pflanzen zu informieren,” sagte Dr. Michael Düe, Leiter der Abteilung Veterinärmedizin bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN).

Wer denkt, giftige Pflanzen gibt es nur im Dschungel, der irrt. Oft sind die giftigen Pflanzen auch beliebt in deutschen Gärten. So auch die Eibe, ein zwei bis 15 Meter hoher immergrüner Nadelbaum mit roten Früchten, der gerne auch als Hecke eingesetzt wird. Alle Pflanzenbestandteile sind giftig. Schon 0,2 bis 0,3 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht eines Pferdes sind tödlich und der Tod kann schon nach fünf Minuten eintreten. Beliebt und oft in Gärten zu sehen sind auch Buchsbaum, Lebensbaum, Oleander und Rhododendron. Alle diese Pflanzen bekommen Pferden nicht. Nicht immer enden Vergiftungen tödlich. „Die Folgen reichen von Kolikerscheinungen und Muskelzittern bis hin zu schlimmen Fällen von Organschäden zum Beispiel der Leber”, erklärt Dr. Düe.

„Buchsbaum, Eibe oder Rhododendron – das ist nur eine Auswahl bekannter Pflanzen, die nicht in die Nähe von Pferden gehören. Sie sind nicht geeignet für Hecken und Beete an Weiden oder Pferdeställen. Wer die Begrünung eines Pferdehofes plant, sollte bei der Pflanzenauswahl jede Pflanze nachschlagen. Das Wissen über diese Pflanzen gehört zur Sachkunde von Pferdeleuten”, sagt Gerlinde Hoffmann, Leiterin der FN-Abteilung Pferdehaltung und Umwelt sowie Autorin des Buches „Orientierungshilfen Reitanlagen- und Stallbau”.

Krankmachende und tödliche Pflanzen können sich aber auch auf der Weide ansiedeln. Deshalb sind regelmäßige Kontrollen der Weiden wichtig. „Wenn untypische Pflanzen auf der Weide stehen, entfernen Sie diese und fragen Sie im Zweifel einen Experten”, empfiehlt Gerlinde Hoffmann. So ist vielen zum Beispiel das Jakobskreuzkraut bekannt, eine bis zu einem Meter hohe Pflanze, die im Sommer gelb blüht. Während Pferde sie frisch meist meiden, können sie vor allem im Heu oder in der Silage ihre tödliche Wirkung entfalten.

Aber auch die Pferdebesitzer sind gefordert. Wer giftige Pflanzen am Stall, an und auf den Weiden vermutet oder entdeckt, sollte seinen Stallbetreiber ansprechen. Bei Ausritten empfiehlt es sich darauf zu achten, wo man sein Pferd anbindet, wo man es grasen lässt und welche Pflanzen in der Nähe sind. Gerade bei Ausritten besteht Gefahr, denn in Feld und Wald gibt es Pflanzen, die Pferden nicht bekommen wie zum Beispiel der Adlerfarn.

Woran aber erkennt man Vergiftungen und was soll man tun, wenn der Verdacht einer Vergiftung besteht? Antworten liefert das Buch „Deutscher Reitpass” aus dem FNverlag: „Die Anzeichen einer Vergiftung sind sehr unterschiedlich, ebenso die Zeitspanne von der Aufnahme des Giftes bis zum Auftreten der ersten Symptome,” heißt es in dem Lehrbuch zum gleichnamigen Ausbildungsabzeichen, quasi dem Führerschein für alle, die viel und gern mit ihrem Pferd ins Gelände gehen. „Vergiftungen können sich äußern durch ungewöhnliche Unruhe, leichte Erregbarkeit, Darmstörungen, krampfartige Kolikanfälle, Durchfall, Schweißausbruch, Speichelfluss, Lähmungen, taumelnden Gang oder ausdauerndes Gähnen. Im schlimmsten Fall stirbt ein Pferd an Atemlähmung oder Herz-Kreislauf-Versagen. Bei Verdacht auf Vergiftungen muss so schnell wie möglich ein Tierarzt gerufen werden. Das Pferd darf keine weitere Nahrung zu sich nehmen; erlaubt ist nur frisches Wasser. Unbedingt eine Probe der verdächtigen Pflanze aufheben! Wenn möglich, sollte das Pferd bis zum Eintreffen des Tierarztes in eine ruhige, gut gepolsterte Box gebracht werden, in der es sich nicht selbst verletzen kann.” Das Buch „Deutscher Reitpass” bietet darüber hinaus eine erste Übersicht wichtiger Giftpfanzen mit Bildern. Wer mehr wissen will, dem empfiehlt sich das Buch „Notfall-Ratgeber Pferde und Giftpflanzen” der Tierärztin Dr. Beatrice Dülffer-Schneitzer, ebenfalls erschienen im FNverlag. Dort sind über 100 Giftpflanzen mit Fotos abgebildet und hinsichtlich Gefährlichkeit, Standort und Verbreitung, Aussehen, Blüte, Früchte, giftige Pflanzenteile, Giftstoffe, gefährliche Dosis, Vergiftungsanzeichen und Erste Hilfe beschrieben. Einen einfachen Überblick mit Bildern gibt zudem die Lehrtafel „Für Pferde giftige Pflanzen” aus dem FNverlag. „Diese Lehrtafel in Postergröße gehört aus meiner Sicht gut einsehbar für alle in den Stall”, rät Gerlinde Hoffmann den Stallbetreibern. Bo

Literaturtipps

* „FN-Abzeichen Deutscher Reitpass”; 9,80 Euro
* Lehrtafel „Für Pferde giftige Pflanzen” von Dr. Bodo Hertsch; Format Din A 4 für 1,50 und Format 100 mal 70 Zentimeter mit Aufhängevorrichtung für 12,80 Euro
* „Natürlich gesund. Pferd, Reiter und Hund” von Claudia Bergmann-Scholvien; 22,80 Euro
* „Notfall-Ratgeber Pferde und Giftpflanzen” von Dr. med. vet. Beatrice Dülffer-Schneitzer; 16,80 Euro
* „Orientierungshilfen Reitanlagen- und Stallbau”; 24,80 Euro
* „Pferdegesundheitsbuch von Dr. med. vet. Beatrice Dülffer-Schneitzer”; 32,80 Euro
* „Richtlinien für Reiten und Fahren, Band 4 – Haltung, Fütterung, Gesundheit und Zucht”; 13,80 Euro

Alle Titel sind erschienen im FNverlag, Freiherr-von-Langen-Str. 13, 48231 Warendorf, Telefon 02581/6362-115, Fax 02581/633146, E-Mail vertrieb-fnverlag@fn-dokr.de Internet www.fnverlag.de.